Twitter statt Studie – Tweets über den Arbeitsmarkt?

Wie die wirtschaftliche und arbeitspolitische Lage eines Landes aussieht, das kann man aus komplizierten, aufwendigen und sehr teuren Studien erfahren. Um solche Studien zu erstellen, braucht es Jahre und während die Studie erstellt wird, kann sich das Bild schon wieder verändert haben.

Dass es auch einfacher, günstiger und schneller geht, das haben jetzt Wissenschaftler der Universität Madrid gezeigt. Sie suchten nach einer Möglichkeit, wie sie die Arbeitslosigkeit in Spanien plastisch darstellen können, und dabei war ihnen das soziale Netzwerk Twitter eine sehr große Hilfe.

Das Twitter Muster

Während die Bundesagentur für Arbeit in Deutschland ihre neusten Zahlen bekannt gibt, schauen die Wissenschaftler der Universität in der spanischen Hauptstadt nur auf die Tweets ihrer Landsleute und können dann sagen, in welcher spanischen Region die Arbeitslosigkeit wieder besonders hoch ist und wo nicht. Anhand der gesendeten Tweets ergibt sich ein Muster und aus diesem Muster lässt sich die arbeitspolitische Lage des Landes erkennen. Wenn es zum Beispiel morgens um 9:00 Uhr eine Menge Tweets in einer bestimmten Region gibt, in denen die Worte Arbeitslosigkeit oder Job besonders häufig zu lesen sind, dann kann man davon ausgehen, dass es in dieser Region viele Arbeitslose gibt. Das Gleiche gilt auch für die Tweets mit diesem Inhalt, die vormittags gesendet werden.

Spanische Regionen, in der es wenige Arbeitslose gibt, haben andere Tweets. Hier werden die meisten Tweets am frühen Morgen versendet, wenn die Menschen zur Arbeit fahren, dann gibt es nur wenige Tweets, bevor es zu Mittagszeit wieder verstärkte Aktivitäten gibt, wenn die Arbeitnehmer in dieser Region eine Pause machen. Am Abend werden die Tweets dann wieder zahlreicher, wenn es nach Feierabend wieder nach Hause geht.

Auch die Rechtschreibung ist für die Forscher der Uni Madrid von entscheidender Bedeutung. Ist die Rechtschreibung in den Twitter Nachrichten eher schlecht, dann zeigt das, dass in dieser Region Spaniens das Bildungsniveau niedrig ist, und daraus lässt sich schließen, dass auch die Zahl der Arbeitslosen hoch ist.

Eine interessante Alternative

Aus der Sicht der Wissenschaft ist die Nutzung der sozialen Netzwerke wie Twitter eine interessante Alternative zu den normalen Umfragen und den zum Teil sehr teuren Studien. Da der Staat und die Politik ihre Bürger im großen Stil überwachen, ist es einfach Twitter zu nutzen um zu erfahren, wo und warum die Arbeitslosigkeit in einigen Regionen deutlich höher ist als in anderen Regionen. Anhand von Twitter können schnell Erhebungen gemacht werden, es müssen keine Studienteilnehmer gefunden und keine Statistiken erhoben werden. Zudem kann man mit der Hilfe von Twitter immer wieder auf den neusten Stand gebracht werden, und das alles ohne großen Aufwand.

Die spanischen Forscher sind sich daher sicher, dass ihre Methode auch in anderen Ländern Anklang finden wird.

Das sagen die Kritiker

Nicht alle sind von der Idee der Wissenschaftler aus Madrid begeistert. Sie haben viele Bedenken und sagen zum Beispiel, dass es zu einem Problem werden kann, die Arbeitslosigkeit mit der Hilfe von Twitter im Blick zu behalten. Sie sind der Meinung, dass die Menschen, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, von sich ein anderes Bild vermitteln, als es im wirklichen Leben der Fall ist. Die sozialen Netzwerke verzerren das Profil und sie sind in der Lage, Menschen zu beeinflussen, und zwar sowohl negativ als auch positiv. Dazu kommt, so sagen die kritischen Stimmen, dass viele, die in den sozialen Netzwerken ihre Meinung posten, nicht immer die Wahrheit sagen.

Auch wenn es auf den ersten Blick seltsam wirkt, anhand von Tweets eine Art Landkarte der Arbeitslosigkeit in einem Land zu erstellen, Twitter kann eine gute Alternative für die Zukunft sein.

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